Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst; ich bin der Herr. 3.Mose 19,18
Eigentlich paßt das gar nicht zusammen: Du sollst … lieben. Liebe, Zuwendung und Anteilnahme lassen sich weder anordnen noch befehlen. Durch Zwang werden sie letztlich in ihr Gegenteil verkehrt. Denn Liebe hat etwas mit Freiheit zu tun. Wer von uns könnte sich auf Befehl einem Mitmenschen wirklich innerlich zuwenden? Und wer von uns wollte Anteilnahme, die nicht aus dem Herzen kommt, sondern bloß ein moralisches Gebot abhakt?
Nun werden Liebe, Zuwendung und Anteilnahme allerdings oft schmerzlich vermißt – in unserem persönlichen Dasein ebenso wie im gesellschaftlichen Miteinander. Wir brauchen sie dringend, denn kein Mensch kann und will nur für sich allein existieren. Und wo die Maxime gilt: „Jeder ist sich selbst der Nächste“, da herrschen Eigennutz, Verschlossenheit und Angst, da stirbt etwas von dem ab, was uns menschlich macht. Deshalb ist es nicht gleichgültig, wie wir miteinander umgehen. Das alte Gebot der Bibel will und kann keine Liebe erzwingen. Aber es mahnt: Nimm den anderen so ernst wie dich selbst. Wie du selbst hat er Wertschätzung, Respekt und Anteilnahme verdient. Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst ist ein Gebot, das uns allen gut tut.
Pastor Karsten Busch